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500 Jahre alter Hof wird ökologisch: Kemminghauser Landwirt setzt in Zukunft auf Bio
Vater und Sohn: Dirk (l.) und Markus Schulte-Uebbing haben auf Biolandwirtschaft umgestellt. © Oliver Schaper

Biohof Schulte-Uebbing

500 Jahre alter Hof wird ökologisch: Kemminghauser Landwirt setzt in Zukunft auf Bio

Der Bauernhof Schulte-Uebbing hat sich von der konventionellen Landwirtschaft verabschiedet und wird Biohof. Richtig loslegen kann Dirk Schulte-Uebbing aber noch nicht.

von Tobias Weskamp
Kemminghausen, 04.06.2019 / Lesedauer: 3 min

Konventionelle Landwirtschaft ade: Seit Oktober 2017 wird der 57 Hektar große Hof Schulte-Uebbing als Nebenerwerbs-Biohof betrieben. Dafür hat sich Diplom-Kaufmann Dirk Schulte-Uebbing dem Naturland-Verband für ökologische Landwirtschaft angeschlossen.

Bis eine solche Umstellung abgeschlossen ist, dauert es. Auch wenn Schulte-Uebbing inzwischen fast zwei Jahre lang nach den Regeln des ökologischen Landbaus arbeitet, wird er erst mit dem Erntejahr 2020 sein Gemüse als Bio-Gemüse verkaufen dürfen: Erst nach den zwei Jahren hat sich der Boden von der zuvor konventionellen Landwirtschaft erholt.

500 Jahre alter Hof wird ökologisch: Kemminghauser Landwirt setzt in Zukunft auf Bio
Schilder auf den Feldern machen auf die Umstellung aufmerksam. © Oliver Schaper

 

Bei der Biolandwirtschaft ist es besonders wichtig, dass der Boden jungfräulich ist. Daher muss Schulte-Uebbing den zweijährigen Umstellungszeitraum beachten, bevor die Produkte als biologisch anerkannt veräußert werden können. Auch auf Pflanzenschutzmittel und Glyphosat verzichtet er, dafür kommen Striegel und Hackmaschinen vermehrt zum Einsatz.

Möhren, Kartoffeln, Rote Beete, Süßmais und Klee

Nach der zweijährigen Umstellungsphase wird er ab dem Erntejahr 2020 mit Möhren, Kartoffeln, Roter Beete, Süßmais und Klee planen, und das alles in einer Reihenfolge, dass es für Boden und Gemüse das Beste ist – „optimierte Fruchtfolge“.

500 Jahre alter Hof wird ökologisch: Kemminghauser Landwirt setzt in Zukunft auf Bio
Nur noch ökologisches Saatgut kommt zum Einsatz. © Oliver Schaper

 

Aus ökonomischen Gründen sei es unerlässlich, die Fruchtfolge bei einem reinen Ackerbaubetrieb zu verändern. „So ließen sich möglicherweise höhere Gewinne erzielen“, sagt Schulte-Uebbing. Außerdem führe diese Produktionsweise zu einer erhöhten biologischen Vielfalt (Biodiversität) und drittens, so führt der passionierte Jäger aus, tue man so etwas für den Artenschutz und die Artenvielfalt von Flora und Fauna.

Sohn Markus hat Landwirtschaft studiert

Sein Sohn Markus hat Landwirtschaft studiert. „Er soll eine Perspektive haben, um den Hof auch in der kommenden Generation weiterzuführen.“ Bis 2008 hat auch sein Vater bei der Betriebsführung aktiv mitgewirkt, seitdem kümmern sich Dirk Schulte-Uebbing, seine Frau Beate und seine Kinder Markus, Friederike und Alexander, unterstützt von Aushilfskräften, um den Hof. Der Betrieb hat eine lange Tradition. 1492 wurden die Hofstelle und der Name Schulte-Uebbing das erste Mal in einem Dokument erwähnt.

Schulte-Uebbing sieht bei einer konventionellen Landwirtschaft keine Chance, seinen Hof als reinen Ackerbaubetrieb ohne den Erwerb weiterer Flächen langfristig weiterzuführen. Daher betreibt er ihn jetzt ökologisch. Auch aus Tradition und mit entsprechender Innovation und Veränderungsbereitschaft soll der Hof weiter bestehen. „Wir haben bislang keine Direktvermarktung geplant, dafür ist der Betrieb viel zu klein“, so Schulte-Uebbing.

Vorbildfunktion: Mit gutem Beispiel voran gehen

Schulte-Uebbing sieht in der Umstellung auch eine Vorbildfunktion. „Wir möchten ein Bewusstsein schaffen und mit gutem Beispiel voran gehen.“ Er hat mit einem Imker vier Bienenvölker mit rund 200.000 Insekten bereits seit Jahren auf seiner Hofstelle.

Das Konzept interessiert auch die Macher des CoProGrün-Projektes, die sich im Rahmen eines Forschungsvorhabens mehrere landwirtschaftliche Betriebe ansahen. „Wir sind per Fahrrad zu mehreren landwirtschaftlichen Betrieben in der Umgebung gefahren und haben uns informiert“, erklärt Elisabeth Lux vom mitinitiierenden Regionalverband Ruhr.

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Gemeinsame Aktion von Naturschützern, Jägern und Landwirten
Einsatz im Naturschutzgebiet „Auf dem Brink“

19. Februar 2011

Zu einer gemeinsamen Aktion trafen sich am Samstag Naturschützer, Landwirte und Jäger am Naturschutzgebiet (NSG) „Auf dem Brink“ in Dortmund-Kemminghausen.

Ausgerüstet mit Müllsäcken und Greifzangen schwärmten über 20 Personen aus, um in die Landschaft geworfenen Müll einzusammeln. Die Entsorgung Dortmund GmbH (EDG) sorgte für den Abtransport des Abfalls.

Das 46 ha große Naturschutzgebiet „Auf dem Brink“ liegt inmitten einer intensiv genutzten Feldflur. Bergsenkungen haben dazu geführt, dass offene Wasserflächen entstanden und weite Teile versumpft sind Teile des Gebietes werden von der Naturschutzgruppe des BUND in Dortmund betreut. Sie verhindert durch regelmäßiges Mähen und Abtransport des Mähgutes, dass umliegende Wiesen verbuschen und überdüngt werden, wodurch zum Teil seltene Pflanzenarten (u.a. Orchideen) ihre Lebensgrundlage verlieren.

Ein Artenschutzprojekt besonderer Art stellte Landwirt und Kreisjagdberater Dirk Schulte-Uebbing vor. Auf seinen Ackerflächen hat er vier so genannte Lerchenfenster in einer Größe von je 20 qm angelegt, mit der die im Bestand stark gefährdete Feldlerche bessere Brutmöglichkeiten erhalten soll.

Ein Lerchenfenster ist eine Fehlstelle im Acker, vorzugsweise wird es im Getreide angelegt. Während der Einsaat wird die Sämaschine für ein paar Meter angehoben. Auch eine nachträgliche Anlage, z.B. durch grubbern, ist möglich. Feldlerchen können diese Fehlstellen als „Anflugschneisen“ nutzen, ihre Nester legen sie dann im umliegenden Getreide an. Dort finden sie die benötigte Deckung, doch durch die Fenster ist der Bestand auch für die Jungen immer noch hell genug. Neben der Feldlerche profitieren auch andere Arten wie Rebhuhn, Goldammer oder Feldhase von der Anlage der Lerchenfenster. Entwickelt wurden die Lerchenfenster in England, wo sie nun schon seit mehreren Jahren erfolgreich angelegt werden und sogar Teil des „Entry Level Stewardship“ sind, der britischen Version der Agrarumweltmaßnahmen.

http://www.stiftung-westfaelische-kulturlandschaft.de/web/projekte/artenschutz/feldlerche/

Zum Abschluss der Aktion konnten sich die Akteure bei Erbsensuppe und Brötchen auf dem Hof Schulte-Uebbing stärken.

Kontakt: Thomas Quittek (Tel. 0175-7738132) oder Dirk Schulte-Uebbing (Tel. 0172-2308481)

Herausgeber dieser Pressemitteilung: Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland Landesverband NRW e.V.; Kreisgruppe Dortmund: Huckarder Str. 8, 44147 Dortmund Tel. (0231) 16 28 24
 
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Naturschutzgebiet Auf dem Brink: Auf dem Brink – Knabenkraut trifft Mädesüß

Stadtbezirk: Eving
Größe: 46 ha
Unterschutzstellung:
19.06.1986 durch einstweilige Sicherstellung
30.11.1990 durch den Landschaftsplan Dortmund-Nord
2.9.2005 Erweiterung durch die 1. Änderung des Landschaftsplanes
Dortmund-Nord
Das Naturschutzgebiet Auf dem Brink liegt inmitten einer intensiv genutzten Feldflur. Bergsenkungen haben dazu geführt, dass offene Wasserflächen entstanden und weite Teile
versumpft sind. Das Gebiet wird vom Süggelbach durchflossen, der im NSG Grävingholz / Süggelwald entspringt. an seinem Verlauf orientieren sich die Grenzen des Schutzgebietes.
Hier ist eine große Vielfalt an Pflanzen- und Tierarten anzutreffen, den mannigfachen Sandortbedingungen angepasst. Diese werden primär von den anwechslungsreichen
Bodenverhältnissen (feuchte Böden / trockene Böden / ebene Flächen / Hangbereiche) hervorgerufen.

Waldreste unterschiedlicher Artenzusammensetzung, Ausprägung und Größe wechseln auf engstem Raum ab mit Röhrichten, Großseggenried, Hochstaudenfluren mit dichten Beständen von Mädesüß und Feuchtwiesen, auf denen das seltene Knabenkraut, eine heimische Orchidee, wächst. Die inmitten des Schutzgebietes gelegene Wasserfläche, die ihre „künstliche“ Entstehung noch durch abgestorbene Baumbestände in den tieferen Wasserzonen verrät, ist in den seichten Bereichen mit Schwarzerlen bewachsen. Die Schwarzerlen, die Wasserstände bis zu 1,50 m gut vertragen, haben hier einen mangrovenähnlichen Bestand entwickelt, der für das Gewässer von prägender Bedeutung ist.

Eng verzahnt sind diese sensiblen Landschaftsstrukturen mit intensiv landwirtschaftlich genutzten Ackerflächen. Dies führte in der Vergangenheit dazu, dass immer wieder Nährstoffe, Düngerreste und Reste von Pflanzenschutzmitteln in den bislang eng eingegrenzten Schutzbereich gespült werden. Um negative Auswirkungen weitgehend zu vermeiden, soll durch gezielte Maßnahmen – der Fachmann spricht von „Biotopmanagement“ – der Zustand des Gebietes wesentlich verbessert werden. So wurde in Zusammenarbeit mit den Landwirten erreicht, dass nördlich des Senkungsgewässers nicht mehr bis in dessen feuchte Niederung hineingepflügt wird. Stattdessen gibt es nun eine breite Pufferzone. Außerdem wurde eine alte, zugeschüttete Mergelkuhle am Nordrand des Gebietes wieder freigelegt, damit sich hier wieder seltene, kalkliebende Pflanzen ansiedeln können. Um ihre trennende Wirkung aufzuheben, wurde die Straße „Auf dem Brink“, die quer durch das Schutzgebiet führt, für den öffentlichen Autoverkehr gesperrt. Künftig sollen darüber hinaus Maßnahmen zur Verbesserung der Wasserqualität im Senkungsbereich des Süggelbaches dafür sorgen, dass die Wasserfläche vor Nährstoffeinträgen möglichst geschützt und somit als Lebensraum für die heimische Tierwelt auch langfristig erhalten werden kann. Eingriffe in die natürliche Entwicklung sind auch im Bereich mehrerer Lichtungen erforderlich, um dort die Florenbestände vor einer fortschreitenden Verbuschung zu schützen.

All dies zeigt, dass ein alleiniges „Sich-selbst-Überlassen“ von Gebieten speziell in Großstadtregionen nicht ausreicht, um Natur und Umwelt zu schützen, eine gewisse Hilfestellung
des Menschen ist schon erforderlich.